Der Höhepunkt des Jahres: Die WM in Bled mit starker Berliner Beteiligung

Eine Woche, von Sonntag bis Sonntag, „kocht“ im malerisch gelegenen See von Bled (Slowenien) bei den Ruder-Weltmeisterschaften das Wasser. Jedenfalls sportlich gesehen. Der Jahreshöhepunkt mit insgesamt 27 Entscheidungen, von denen 14 in olympischen, acht in nichtolympischen und fünf in sogenannten „Adaptive Events“ für körperlich und auch geistig Behinderte stattfinden verspricht Spannung, Masse und Klasse. 1213 Ruderer aus 68 Nationen sind gemeldet, die 455 Boote an den Start bringen werden.

Das größte Teamkontingent stellt die USA mit 26 Crews und 84 Athleten. Danach folgen Deutschland (23/74), Italien und China (je 21/67), Großbritannien (21/64), Frankreich (19/59) und Australien (18/58). Mit jeweils nur einem Vertreter im Einer der Männer oder Frauen sind Kamerun, Kolumbien, Zypern, Georgien, Irak, Kenia, Moldowa, Monaco und Paraguay vertreten und sorgen mit ihrer Präsenz für eine schöne, bunte Ruder-Welt. Die Finals finden diesmal schon ab Donnerstag (1. September) bis zum darauf folgenden Sonntag statt, wobei der DRV-Männer-Achter seinen dritten Titel in Folge bereits zum Auftakt der Endläufe  aktiv sein wird und diesmal nicht den krönenden Abschluss bilden kann.

Für die öffentliche Wahrnehmung hierzulande, die sich weitgehend über das Flaggschiff des deutschen Rudersports vollzieht, ist diese Dramaturgie angesichts parallel stattfindender sportlicher Großereignisse (Leichtathletik-WM!) sicher nicht die beste. Vielleicht aber auch eine Chance, zu zeigen, dass Rudern eben nicht nur aus einem Wettkampf besteht, sondern seine Attraktivität auch aus seiner Vielfalt bezieht. Am stärksten besetzt unter den 14 olympischen Rennen sind der Männer-Einer mit 36 Meldungen, von denen die deutsche dem wiedererstarkten Marcel Hacker (Frankfurt/M.) gehört. Im Leichtgewichts-Doppelzweier, in dem der Berliner Europameister von 2010 Linus Lichtschlag (Ruderklub am Wannsee) mit Partner Lars Hartig (Friedrichstadt) nach WM-Edelmetall greift, sind 34 Boote am Start. Die geringste Teilnehmerzahl in diesen 14 Entscheidungen gibt es im Frauen-Achter mit acht Crews. Dort muss für die DRV-Besatzung mindestens ein fünfter Platz erreicht werden, um einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele des kommenden Jahres zu sichern. Dies ist neben Titeln und Medaillen auch in den übrigen Wettbewerben das primäre Ziel für die Verantwortlichen des DRV mit Cheftrainer Hartmut Buschbacher an der Spitze. In den verschiedenen Bootsklassen sind dafür unterschiedliche Vorgaben zu erreichen, oft ist es der achte Rang als Mindestnorm.

Aus Berliner Sicht ist ein gutes bis durchwachsenes Ergebnis erreicht worden, was die Präsenz im DRV-Team für Bled angeht. Je vier Frauen und Männer sind in den 22 olympischen und nichtolympischen Rennen vertreten, , dazu kommen insgesamt vier Ersatzleute. Mit Blick auf London 2012 ist es erfreulich, dass mit Ausnahme von Sina Burmeister (Treptower RG) im leichten Doppelvierer alle in olympischen Bootsklassen sitzen und sich damit vielleicht schon mal einen kleinen Bonus für die in einem Dreivierteljahr anstehende Nominierungsrunde für das Sport-Highlight schlechthin erarbeiten können. Die wohl besten Chancen auf mindestens eine Medaille, wenn nicht mehr, haben die vier Skullerinnen, die für den Doppelvierer auf der Liste stehen: Julia Richter, Tina Manker (beide Ruderklub am Wannsee), Britta Oppelt (Rvg. Hellas Titania) und Sophie Dunsing (SV Energie/Ersatz). Trainiert wird das Boot ebenfalls von einem Berliner: Sven Ueck soll es zum Titel führen. Auch Sina Burmeister darf mit dem leichten Doppelvierer auf eine Medaille hoffen. Als Ersatzfrau für den Achter nominiert wurde Anna-Carina Korge (RC Tegel 1886).

Bei den vier Männern sind die Gold-Chancen für die beiden Hauptstadt-Vertreter – Steuermann Martin Sauer und Andreas Kuffner (beide Berliner Ruder-Club) – nicht nur groß, sondern ganz real. Immerhin ist das Großboot seit der Olympiaschlappe von Peking, als man im B-Finale Letzter wurde – ungeschlagen. Der erwähnte Linus Lichtschlag gehört im leichten Doppelzweier mit Partner Lars Hartig zweifellos zum erweiterten Favoritenkreis in dieser Bootsklasse scheint vieles möglich. Ähnliches gilt auch für Jonas Schützeberg (Berliner Ruder-Club), der im leichten Doppelvierer an den Start geht. Ersatzmann für den schweren Doppelvierer ist Hubert Trzybinski (RG Rotation), der vor kurzem bei der U23-WM in Amsterdam Weltmeister im Einer geworden war.  Lei der nicht dabei sein kann im Doppelzweier der Weltmeister von 2009 Eric Knittel (BRC), für den nach dem „Seuchenjahr“ 2010 mit langwierigem Ausfall gleich ein weiteres mit erneuter Verletzung und Operation folgte, so dass der gute Saisonstart keine Fortsetzung finden konnte, und sich Partner Stephan Krüger (Rostock) mit Hans Gruhne (Potsdamer RG) kurzfristig einen neuen zweiten Mann suchen musste. Das Boot blieb aber in der kompetenten Trainerbetreuung von Berlins Landestrainer Dieter Öhm, der es schon bei Einstand zum Weltcup-Finale auf dem Luzerner Rotsee in prächtiger Form vorstellte.

Zahlenmäßig stark vertreten ist Berlin in den fünf „adaptive Events“, in denen gleich acht Aktive (sechs Männer, zwei Frauen) und zwei Trainer aus der Hauptstadt im Einsatz sind. Auf diese Wettbewerbe werden wir in einer zweiten, folgende LRV-Pressemitteilung eingehen.

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