Sieben Berliner in Luzern auf dem Siegerpodest

Deutschland gewinnt als Team den Weltcup sowie in vier Bootsklassen die Einzelwertungen
Die Generalprobe für die WM vom 27. August bis 4. September im slowenischen Bled ist vorbei und die DRV-Verantwortlichen haben nach dem Weltcup-Finale des vergangenen Wochenendes auf dem Luzerner Rotsee gemischte Gefühle. Einerseits ist da die Zufriedenheit über drei Siege in den Schwerpunkt-Bootsklassen – Frauen- und Männer-Doppelvierer, Männer-Achter -, andererseits aber scheidet Cheftrainer Hartmut Buschbacher aber auch mit einigen Sorgen ob der mangelnde Breite vom „Göttersee“.  Er wird nun auf Grund der über die Saison gesammelten Erkenntnisse seinen endgültigen WM-Kader benennen und sagt mit Blick auf Bled, wo nicht nur Titel und Medaillen, sondern vor allem Quotenplätze für Olympia in London vergeben werden, fordernd: „Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Wenn wir nicht langsam aber sicher unser angestrebtes Niveau erreichen, wird es schwer.“

Die Stärken in den genannten Bootsklassen sind offensichtlich, die Defizite vor allem im Frauen-Riemenbereich aber ebenso. Die beiden Doppelvierer (jeweils zweimal Erster und einmal Zweiter in den drei Weltcup-Rennen) und der überragende Deutschland-Achter (dreimal Erster), der jetzt eine Ungeschlagen-Serie von 27 Siegen in Folge aufweisen kann, sind die deutschen Trümpfe. Erfreulich, dass daran mit Britta Oppelt (Rvg. Hellas Titania), Julia Richter und Tina Manker (RK am Wannsee) im Frauen-Quartett sowie Andreas Kuffner und Steuermann Martin Sauer (beide Berliner Ruder-Club) im Achter gleich ein Berliner Quintett beteiligt ist. Ihre Crews fuhren auch in Luzern wieder überzeugende Siege ein und trugen zum guten Weltcup-Gesamtabschneiden des Deutschen Ruderverbandes (DRV) bei. In der Team-Gesamtwertung profitierte Deutschland freilich vom Startverzicht der Briten bei der zweiten Station in Hamburg wegen der EHEC-Epidemie. Blickt man auf das Punkteduell zwischen den beiden Top-Nationen, gab es folgende Ergebnisse: 79:59 für Großbritannien beim Auftakt in München, 79:0 für Deutschland in Hamburg und schließlich 70:39 für die Briten in Luzern. Macht einen Gesamtstand von 177:149 zugunsten des DRV, der damit erstmals seit 2006 wieder die Trophäe eroberte.

Garniert wurde der Triumph mit den Erfolgen in den Einzelwertungen von vier der 14 olympischen Bootsklassen. Neben den beiden Doppelvierern und dem Achter konnte auch der Männer-Vierer ohne Platz 1 in der Summe der drei Wettbewerbe belegen. Deutschland war damit Spitze, gefolgt von Neuseeland (3), Großbritannien (2), den USA, den Niederlanden, Dänemark, Weißrussland und Tschechien (je 1). Ein Resultat, dass sich bei der WM in Bled getrost wiederholen dürfte. Luzern bot aber trotz dieser Zahlen für den DRV nicht nur Erfreuliches. Nur in sieben der 14 olympischen Finals war man vertreten. Dies war auch einigen prominenten Ausfällen wie zum Beispiel denen von Marcel Hacker (Frankfurt/M.) und Annekatrin Thiele (Leipzig) in den Einern geschuldet. Mit dem Doppelzweier-Weltmeister von 2009 Eric Knittel (Berliner Ruder-Club/siehe Interview) fehlte ein weiterer, im Laufe der bisherigen Saison starker Skuller, für den der Potsdamer Hans Gruhne als „Ersatzmann“ an die Seite des Rostockers Stephan Krüger rückte und mit diesem als Zweiter hinter Neuseeland eine ganz starke Vorstellung bot.

Berlins 13 Akteure im deutschen Aufgebot durften mit ihren Ergebnissen in der Mehrzahl zufrieden sein. Gleich sieben standen auf dem obersten Siegerpodest. Neben den drei Doppel-Vierer Frauen und den beiden Achter-Akteuren waren das Jonas Schützeberg (Berliner Ruder-Club) und Sina Burmeister (Treptower RG) in den leichten Doppelvierern. Einen dritten Rang unter freilich nur drei gemeldeten Booten belegte der ebenfalls nichtolympische leichte Männer-Achter, in dem mit Adrian Brettung (Berliner Ruder-Club) und Marko Johann (RG Wiking) zwei Berliner saßen. Nicht nutzen konnte Linus Lichtschlag (RK am Wannsee) mit Partner Lars Hartig (Friedrichstadt) im leichten Doppelzweier die große Chance auf den Gewinn des Gesamtweltcups. Nach Rang 5 im A-Finale wurde das Duo noch von den siegreichen Neuseeländern abgefangen. Ohne Chance auf Vorderränge blieben im Frauen-Doppelzweier Sophie Dunsing (SV Energie) mit Nina-Wengert (Saarbrücken) als 13. (Siegerin des C-Finals), Anna-Carina Korge (RC Tegel) mit Eva Paus (Hürth) als 17. im Zweier ohne und Hendrik Bohnekamp (RK am Wannsee) im zweiten deutschen Vierer ohne auf Rang 16. Für sie war Luzern Lehrstoff für kommende Aufgaben.

Für die besten Berliner wird die nächste Herausforderung die WM in Bled sein. Stellvertretend für sie steht Tina Mankers (22) Aussage nach dem Sieg des Doppelvierers in Luzern: „Das ist perfekt gelaufen und hat unglaublich Spaß gemacht. Natürlich gibt das auch Selbstbewusstsein für die Weltmeisterschaft. Ich bin sehr zuversichtlich.“ Und die erfahrene Britta Oppelt, seit dem 5. Juli 33 Jahre alt, kommentierte ihren ersten Weltcup-Gesamtsieg so: „In Luzern zu gewinnen, und das im gelben Leibchen der Weltcup-Führenden, ist definitiv etwas Besonderes. Das war eine Supersache und ein schönes Rennen. Jetzt heißt es kurz Luft holen, im Training für den Feinschliff sorgen und dann in Bled Ähnliches wiederholen.“

Eric Knittel (BRC), Doppelzweier-Weltmeister 2009:

„Der Verzicht kann ein Gewinn sein!“

Weltmeister 2009, 2010 ein „Seuchenjahr“, 2011 tolles Comeback – jetzt war auf der BRC-Homepage von einer „schweren Verletzung“ zu lesen. Kurz gefragt: Wie geht’s?

Das war auf der Homepage sicher etwas zu dramatisch formuliert. Ich hatte einen gereizten Nerv im Rücken, der die ganze Partie blockierte. Daraufhin haben wir vor Ort in Zürich beschlossen, den Start lieber sein zu lassen. Ein Verzicht kann manchmal ein Gewinn sein.

Hans Gruhne hat sie ausgezeichnet vertreten, ist mit Stammpartner Stephan Krüger aus Rostock Zweiter geworden. Macht man sich da Sorgen um den Platz im Boot?

Nein, wenn ich beschwerdefrei bin, vertraue ich auf meine Leistung. Ich habe mich gefreut, dass die beiden ein tolles Rennen gefahren sind. Von Luzern aus bin ich nochmal heimgefahren, um ein paar Behandlungen beim Arzt zu absolvieren. Die anderen sind ja direkt aus der Schweiz ins Trainingslager nach Österreich gereist. Ich gehe davon aus, dass ich mich schnell erhole und werde dann zur WM-Vorbereitung nachreisen.

Wie nervös macht solch eine Störung im Formaufbau?

Natürlich beschäftigt man sich schon mal damit. Aber es ist überhaupt nichts gewonnen, wenn man sich verrückt macht. Ich bin zuversichtlich, dass sich alles entspannt, dann seinen Gang geht und ich voll durchstarten kann.

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