6-2-3 Deutsche Top Bilanz bei EM- Von acht Berlinern holen Fünf Medaillen

Die vierte Ruder-Europameisterschaft seit der Wiederbelebung im Jahre 2007 im portugiesischen Montemor-o-Velho trug ganz klar einen schwarz-rot-goldenen Stempel. Die Aktiven des Deutschen Ruderverbandes (DRV) dominierten vor allem in den 14 olympischen Bootsklassen, in denen sie zehn Medaillen, davon fünf in goldener Ausgabe, gewannen.

Dazu kamen zweimal Silber und dreimal Bronze sowie der Titel der von Cheftrainer Hartmut Buschbacher persönlich betreuten Rostocker Leichtgewichts-Einerfahrerin Marie-Louise Dräger. Dass die in der bisherigen Saison dominierenden Briten bei der EM fehlten und auch einige weitere Spitzen-Crews mit Blick auf die späte WM Anfang November auf dem Lake Karapiro in Neuseeland ebenfalls auf einen Start verzichteten und stattdessen einen speziellen Vorbereitungsweg wählten, soll nicht unerwähnt bleiben. Gleichwohl, die Art und Weise, in der die DRV-Asse in der übergroßen Mehrzahl der Fälle zielstrebig und mutig zu Werke gingen, imponierte.

Buschbachers Fazit fiel denn auch sehr positiv aus: „Wir können insgesamt sehr zufrieden sein. Dass war ein wichtiger Test für das Selbstvertrauen und die Geschwindigkeiten in den Booten. Es war richtig, dass wir ihn wahrgenommen haben. Alles in allem waren einige gute Entwicklungen zu sehen. Aber es gibt nach wie vor auch ein paar Baustellen, an denen wir in den nächsten Wochen hart arbeiten werden. Nach der geschlossenen Teamleistung bei der EM wird das Training nun etwas einfacher, weil wir uns  auf dem richtigen Weg wissen." Von den neun ursprünglich nominierten Berliner Aktiven fielen unmittelbar vor der EM mit Andreas Kuffner und Anton Braun (beide Berliner RC) zwar zwei krankheitsbedingt noch aus, dafür aber wurde die als Doppelvierer-Ersatzfrau benannte Sophie Dunsing (SV Energie) im Einer eingesetzt. Die 22-jährige Elektrotechnik-Studentin an der TU Berlin verfehlte in einem stark besetzten Halbfinale zwar den Sechser-Endlauf, aber zeigte im B-Finale mit Rang 2, dass sie diese Rennen engagiert zum Lernen und Erfahrung sammeln zu nutzen gedenkt.

Die sieben anderen Berliner Asse, bis auf Jonas Schützeberg (Berliner RC) im Leichtgewichts-Doppelvierer in olympischen Bootsklassen eingesetzt, traten in den A-Endläufen an. Für Schützeberg und die Doppelzweier-Vorjahres-Weltmeister Eric Knittel (Berliner RC)/Stephan Krüger (Rostock) endeten die Rennen auf Rang 4. Letztere zeigten dabei eine langsam aufsteigende Formkurve, die nun vom Trainer Dieter Öhm forciert und punktgenau zur WM nach der bislang durch Verletzungen geprägten Saison doch noch zu einem Happy End führen könnte. Nach spannendem Verlauf mit wechselnden Führungen hatten Knittel/Krüger nach forschem Beginn fast zwei Drittel der 2000 Meter lang das Rennen mitbestimmt, ehe ihnen am Ende im Finish die Kraft ausging und sie neben den siegreichen und in diesem Jahr bislang dominierenden Franzosen (WM-2. 2009) auch noch die Esten (WM-3. 2009) und Tschechen passieren lassen mussten. Keine Enttäuschung, eher ein Fingerzeig dafür, woran es noch zu arbeiten gilt.

Die fünf übrigen Hauptstadt-Vertreter neben den drei schon genannten gehörten in Portugal allesamt zu den Medaillengewinnern. Die drei Skullerinnen Britta Oppelt (Rvg. Hellas Titania), Tina Manker und Julia Richter (beide RK am Wannsee) holten hinter der Ukraine Silber. „Die waren schneller, daran ist nichts zu deuteln. Aber für die WM haben wir noch Potenzial, können die Schlagzahl weiter hochfahren. Insgesamt können wir mit Rennen und Verlauf sehr zufrieden sein", resümierte Manker. Zweimal Gold gab es schließlich als Krönung des Ganzen durch zwei Berliner Männer. Linus Lichtschlag RK am Wannsee) gewann mit Lars Harting (Friedrichstädter RG) im von Sven Ueck betreuten Leichtgewichts-Doppelzweier vor den frenetisch angefeuerten Lokalmatadoren aus Portugal im bislang besten Saisonrennen des Duos, das bis dato mit dem zweiten Rang beim Weltcup-Finale auf dem Luzerner Rotsee sein bestes internationales Ergebnis erreicht hatte. „Das war ein tolles Rennen. Wir haben umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten: am Start voll mitgehen und auf der Strecke dann vorlegen. Der Plan ist aufgegangen", jubelte Lichtschlag, der seinem Namen alle Ehre machte. Und hängte so etwas wie ein Versprechen an: „Jetzt freuen wir uns auf Neuseeland." Diese Vorfreude teilt sicherlich auch Martin Sauer (Berliner RC) , Steuermann des seit dem Pekinger Olympia-Desaster 2008 nur einmal verlor - zwei Wochen vor der EM gegen die Briten auf der Rendsburger Langstrecke. Diesen „Ausrutscher" korrigierte man nun eindrucksvoll - Gold war nie in Gefahr. Sauer war mit seinen Leute hochzufrieden: „Das war schon ein schweres Stück Arbeit, auch wenn es leicht aussah. Es ist nicht einfach, aus dem vollen Training heraus zu fahren. Dazu kamen schwierige Windbedingungen, aber damit mussten ja alle klar kommen."

Auf dem Formgipfel sieht Sauer das Großboot aber noch nicht. „Es gibt noch viele Punkte, an denen wir hart arbeiten müssen. Aber wir sind auf einem gut Weg und können nun mit der EM im Rücken richtig loslegen." Der Achter-Steuermann hatte damit instinktiv fast die gleichen Worte gewählt wie der „große Steuermann" der DRV-Ruderauswahl, Cheftrainer Hartmut Buschbacher.

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