„Der Ritt durch 150 Jahre Rudern war phänomenal"

Für alle, die nicht dabei sein konnten:
Hier geht es zu einem kurzen Video von der Sternfahrt am 11. Juli 2026.
Hier gibt es den Mitschnitt der Matinee am 12.07.2026
150 Jahre Rudern in Berlin. Der Landesruderverband (LRV) feierte ein ganzes Wochenende lang nicht nur ein großes sportliches Jubiläum. Es geht auf die Gründung des ersten Berliner Rudervereins zurück, des „Berliner Ruder-Verein von 1876", der später in anderen Vereinen aufging. Gefeiert wurden vor allem 150 Jahre Leidenschaft für den Rudersport und Zusammenhalt in den Vereinen – mit einer Sternfahrt und einer Matinee.
Bunte Sternfahrt ins Ruderzentrum
260 Ruderinnen und Ruderer aus allen Berliner Ruderrevieren machten sich am 11. Juli 2026 auf den Weg ins Ruderzentrum – im Einer, Zweier, Vierer und Achter. Ein Team des Berliner Ruder-Club trug extra angefertigte Shirts in den Farben des ersten Berliner Rudervereins. Auch andere Teams ruderten in historischen Outfits. Kurz vor 11 Uhr legte das erste Boot auf dem Hohenzollernkanal am Ruderzentrum an: ein Vierer vom RC Tegel 1886.
Offizieller Start der Sternfahrt war um 10 Uhr am Großen Wannsee – auf dem Gelände des Berliner Ruder-Clubs Welle Poseidon und des Potsdamer Ruder Clubs Germania. LRV-Präsident Thomas Haun begrüßte dort gemeinsam mit den beiden Vereinsvorsitzenden Detlef Heinrich und Axel Ulbrich auch Thomas Härtel, Präsident des Landessportbunds Berlin, selbst ein begeisterter Ruderer. Er würdigte die lange Tradition des Berliner Rudersports und sprach außerdem über die Berliner Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele. „Wir kämpfen für die Spiele in Berlin. Auch der Berliner Wassersport würde davon sehr profitieren", so Thomas Härtel. Der Landesruderverband demonstrierte sein Engagement für die Spiele in Berlin ganz deutlich: Alle Helferinnen und Helfer der Sternfahrt waren in ihren bunten „Berlin gewinnt mit Olympia"-Shirts sehr gut zu erkennen.
Ein Tag der Freude und des Miteinanders
Das Ruderzentrum war festlich geschmückt. Am Fahnenmast hing sogar die Fahne des „Berliner Ruder-Verein von 1876". In der großen Sporthalle, wo sich ansonsten Spitzenruderinnen und -ruderer auf Weltcups, Europa-, Weltmeisterschaften und Olympische Spiele vorbereiten, führte Matthias Zander durch die Ausstellung „150 Jahre Rudern in Berlin". Er hat sie maßgeblich mitgestaltet. Neben einem kurzen historischen Überblick stand im Mittelpunkt eine Serie mit 63 Porträts – fotografiert von Anke Illing und Thomas Voßbeck. Die Fotos zeigen Berliner Ruderinnen und Ruderer im Alter von 10 bis 91 Jahren aus 13 Vereinen. Sie repräsentieren die Vielfalt der Berliner Rudergemeinschaft. Draußen gab es Leckeres vom Grill, Kaffee und Kuchen. Präsident Thomas Haun und Vizepräsidentin Angela Haupt überreichten ein Bierfass an die Vereine mit den meisten Teilnehmenden an der Sternfahrt. Ganz vorn der Berliner Ruder-Club. Er war mit 30 Ruderern dabei. Auf Platz 2 der BRC Hevella (27 Teilnehmende), auf Platz 3 der RV Collegia 1895.(23).
Matinee: nachdenklich und mit Episoden zum Schmunzeln
Nach dem sportlichen Teil der Jubiläumsfeier folgte am nächsten Tag die Matinee „150 Jahre Rudern in Berlin". Viele Ehrengäste und Vereinsmitglieder kamen ins Ruderzentrum. Sie berichteten Historisches und ganz persönliche Erlebnisse, Nachdenkliches und Episoden zum Schmunzeln. Die Themen in mehreren Gesprächsrunden – moderiert von Thorsten Kohlisch und Julian Eerland – reichten von den Anfängen über die Gründung des Berliner Regatta-Vereins 1881, dem heutigen Landesruderverband Berlin, bis in die Gegenwart. Immer spiegelte sich in den Geschichten aus dem Berliner Rudersport zugleich die wechselvolle Geschichte unserer Stadt wider.
„Menschen in einem Boot - unabhängig von Religion und Weltanschauung"
Matthias Zander, in Ruderkreisen „Zappel" genannt, konnte viel über die Anfänge des Berliner Rudersports erzählen. Er ist auch durch den Podcast „Schubschlag" bekannt und gilt als „wandelndes Ruderlexikon", so Thomas Haun. Detlef Heinrich vom Berliner Ruder-Club Welle-Poseidon berichtete über die Geschichte seines Vereins: In der Nazi-Zeit traten nichtjüdische Mitglieder aus, um ihren jüdischen Kameraden weiterhin das Rudern zu ermöglichen. Später folgten Zwangsauflösung, Wiedergründung und Umzug zum Wannsee. „Doch eins blieb immer gleich“, heißt es in der Chronik des 132 Jahre alten Vereins, „hier saßen immer Menschen in einem Boot, unabhängig von Religion und Weltanschauung.“ Unter dem Titel „Wasser, Wellen, Widerstand. Wie ein Berliner Ruderclub den Nazis trotzte“ hat das Kulturschiff MS Goldberg die Geschichte auf die Bühne gebracht. Die nächste Aufführung findet am 24. September 2026 im Wassersportmuseum statt (Regattastraße 191, in 12527 Berlin-Grünau).
Rennrudern und Wanderrudern in der geteilten Stadt
Um das Rudern in der geteilten Stadt ging es in der Gesprächsrunde mit Dietmar Ehrig vom RC Tegel 1886 sowie Jutta Ottenburger und Detlef Pries von Pro Sport Berlin 24, Leiter der Ruder-Abteilung seit mehr als 30 Jahren. Sie haben beide ihre Wanderruder-Karriere im Ostteil der Stadt begonnen und sind inzwischen schon dreimal mit dem Äquatorpreis ausgezeichnet. „Einmal bin ich irrtümlich in den Teltow-Kanal gerudert und wurde zurückgepfiffen", erinnert sich Detlef Pries an die Zeit, als die Mauer auch die Ruderreviere trennte. „Wir konnten bis zur Grenze maximal 15 Kilometer hin und 15 Kilometer zurückrudern", erzählt Dietmar Ehrig. Er kommt aus einer ruderbegeisterten Familie. Im Andenken an seinen Vater Kurt Ehrig fördert die Kurt-Ehrig-Stiftung als Unterstiftung der Sportstiftung Berlin seit vielen Jahren den Rudersport in Berlin.
„Wir hatten nicht ständig die Systemfrage im Kopf"
„Ich habe inzwischen meinen Frieden gemacht mit der Silbermedaille", sagte Klaus Rohloff mit einem Augenzwinkern zu Matthias Schumann, als es in der Matinee um das Thema Rennrudern ging. Rohloff war 1978 bei der WM in Neuseeland mit dem Deutschlandachter hinter dem DDR-Achter ins Ziel gekommen. Trotzdem empfanden die Ruderer Sympathie zueinander: „Wir hatten nicht ständig die Systemfrage im Kopf", sagte Klaus Rohloff. Matthias Schumann ist später in die Bundesrepublik geflüchtet und konnte über leistungssportlichen Erfahrungen in Ost und West berichten. Auch andere ehemalige erfolgreiche Leistungsruder*innen waren zur Matinee gekommen, u. a. Karsten Finger, Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1992, und Britta Oppelt, Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 2004 und 2012.
Neues Gebäude soll Ruderzentrum fit für die Zukunft machen
Die Entstehung des Ruderzentrums vor mehr als 50 Jahren stand im Mittelpunkt der Gesprächsrunde mit Prof. Dr. Wolfgang Maennig, Ehrenvorsitzender des Deutschen Ruderverbands, Michael Hehlke, ehemaliger LRV-Geschäftsführer, und Uwe Graf vom Berliner Ruder-Club. Es ist heute ein modernes Sportzentrum mit Bootshalle, Kraftraum, Übernachtungsmöglichkeiten, Umkleiden, Seminarräumen und einem kleinen Blockheizkraftwerk. Es wurde im Laufe der Jahre immer wieder erweitert, saniert, modernisiert und „platzt jetzt aus allen Nähten", sagte Thomas Haun. Deshalb ist auf dem Grundstück ein neues Gebäude mit Unterbringungsmöglichkeiten für Ruderinnen und Ruderer und Besprechungsräumen für Trainer geplant. „Wir haben die Verpflichtung, alles dafür zu tun, dass junge Menschen ihre Talente entfalten können", sagte Wolfgang Maennig. Dafür erntete er an diesem Sonntagvormittag besonders viel Beifall.
Ja zu Olympischen und Paralympischen Spielen in Berlin
Thomas Haun begrüßte auch Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl 2026. Er dankte vor allem den Ehrenamtlichen in unseren Vereinen: „Seit meinem fünften Lebensjahr bin ich in verschiedenen Sportvereinen. Sport im Verein lehrt Teamgeist, Respekt, verlieren können. Sport ist gelebte Demokratie. Ohne Ehrenamtliche können wir uns Vieles im Sport, in der Kultur und in anderen Bereichen nicht mehr leisten, deshalb wollen wir Ehrenamtliche unterstützen – mit dem kostenlosen Deutschland-Ticket. Das ist gut eingesetztes Geld." Er richtete den Blick nach vorn: „Ja, ich bin dafür, dass sich Berlin um die Olympischen und Paralympischen Spiele bewirbt", sagte Steffen Krach. „Wenn man die Bilder von den Spielen in Paris sieht, kann man gar nicht dagegen sein. Wir sollten die Jahre nutzen, um diese Stadt nach vorn zu bringen – in ganz vielen Bereichen. Wenn eine andere Stadt oder Region den Zuschlag bekommt, dann gehen viele Unternehmen und Investitionen des Bundes dorthin. Schon deshalb muss man als verantwortungsvoller Politiker in Berlin für die Spiele in Berlin sein. Und wer nicht der größte Fan ist, sollte die Bewerbung trotzdem unterstützen – in dem Sinne: Wir machen etwas Großes und Nachhaltiges daraus."
Auch Thomas Haun bekräftigte: „Wir brauchen Visionen und mehr Optimismus in dieser Stadt. Wir möchten internationale Wettkämpfe nach Berlin holen, schon in den nächsten Jahren. Damit wollen wir den internationalen Ruderwettkampf in Berlin wiederbeleben."
„Wer nicht dabei war, hat etwas versäumt"
Moderator Julian Eerland sprach schließlich vielen aus der Seele: „Wir sehen eine Zukunft vor uns, in der der Berliner Rudersport eine große Rolle spielt: national und international. Dabei haben wir starke Partner an der Seite und tolle Menschen im Ehrenamt, die dafür sorgen, dass das Fundament steht." Mit diesem Fazit ging die Matinee zu Ende, die „so lang war wie eine doppelte Vorlesung an der Uni", wie Moderator Thorsten Kohlisch sagte.
Thomas Haun hatte drei kurzweilige Stunden angekündigt. Das Feedback von vielen Teilnehmenden gibt ihm recht: „Als ehemalige Ruderin habe ich mich gefreut, dabei sein zu dürfen. Der Ritt durch 150 Jahre Geschichte des Rudern war phänomenal", schrieb Lisa Knack, Mitglied der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, auf Facebook. „Danke für die tolle Organisation und die sehr interessante Matinee", postete der ehemalige LRV-Präsident Karsten Finger. „Es war spannend zuzuhören, vor allem der lebendigen Schilderung der Geschichte, die mich sehr bewegt", sagte Sylvia Hannappel, 1. Vorsitzende des Berliner Ruderklubs Brandenburgia. Monika Tampe, Trägerin der Goldenen Ehrennadel des LRV, war sogar an ihrem Geburtstag gekommen. Sie postete: „Wer heute nicht dabei war, hat etwas versäumt."
Angela Baufeld
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Britta Oppelt Lisa Knack
Britta Oppelt Lisa Knack
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Detlef Heinrich Matthias Zander
Detlef Heinrich Matthias Zander
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Erstes Boot im RZ
Erstes Boot im RZ
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Graf Maennig Hehlke
Graf Maennig Hehlke
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Jutta Ottenburger Detlef Pries
Jutta Ottenburger Detlef Pries
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Klaus Rohloff Matthias Schumann
Klaus Rohloff Matthias Schumann
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Krach Haun
Krach Haun
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RVP Saffonia
RVP Saffonia
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Schleuse Spandau
Schleuse Spandau
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Sylvia Hannappel
Sylvia Hannappel
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Vor Beginn der Sternfahrt bei Welle Poseidon
Vor Beginn der Sternfahrt bei Welle Poseidon
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