Landesruderverband Berlin e.V.

Berlin gewinnt Olympia. Mit der Regattastrecke am Beetzsee in Brandenburg.

Von Thomas Haun, Präsident des Landesruderverbands Berlin

Brandenburg an der Havel und der Beetzsee haben sich am Pfingstwochenende bei den U19-Europameisterschaften im Rudern eindrucksvoll präsentiert. Die Regattastrecke, die im Konzept „Berlin+“ als offizieller Austragungsort für die olympischen und paralympischen Wettbewerbe im Kanu- und Rudersport vorgesehen ist, zeigte überzeugend das Potenzial der Hauptstadtregion für Olympische und Paralympische Spiele. Perfekte Bedingungen auf dem Wasser, eine hervorragend organisierte Veranstaltung und eine entspannte, offene Atmosphäre machten deutlich, dass hier bereits heute internationale Spitzenevents auf höchstem Niveau möglich sind.

Das Konzept „Berlin+“ steht dabei bewusst für mehr als nur zusätzliche Wettkampfstätten. Es beschreibt die Idee einer gemeinsamen Hauptstadtregion, in der Berlin und Brandenburg ihre Stärken miteinander verbinden. Gerade im Wassersport funktioniert diese Zusammenarbeit seit vielen Jahren partnerschaftlich und vertrauensvoll. Die Landesruderverbände beider Bundesländer arbeiten eng zusammen, unterstützen sich gegenseitig bei Regatten, Nachwuchsarbeit und Organisation von Veranstaltungen. Sie zeigen damit, wie leistungsfähig diese Region bereits heute aufgestellt ist.

Der Beetzsee nimmt in diesem Konzept eine besondere Rolle ein. Die Strecke verbindet internationale Wettbewerbsfähigkeit mit einer außergewöhnlich natürlichen Umgebung. Anders als manche olympische Großanlage wirkt sie nicht überdimensioniert oder künstlich inszeniert. Vielmehr überzeugt sie durch eine moderne, funktionale Infrastruktur mit Augenmaß. Bereits heute lassen sich Veranstaltungen auf Weltcup-, WM- und EM-Niveau durchführen, gleichzeitig bestehen sinnvolle Erweiterungsmöglichkeiten für Tribünen, Funktionsgebäude und Trainingsbereiche, ohne den Charakter der Anlage zu verlieren.

Bemerkenswert ist dabei auch die kontinuierliche Entwicklung des Standorts. Brandenburg investiert seit Jahren verlässlich und schrittweise in die Regattastrecke, nicht erst seit einer Olympiabewerbung. Genau diese Mischung aus Bodenständigkeit, langfristigem Denken und sportlicher Kompetenz macht die Anlage glaubwürdig und nachhaltig.

Auch die infrastrukturellen Voraussetzungen sprechen für die Hauptstadtregion. Der Beetzsee liegt rund 60 Kilometer vom geplanten Olympischen Dorf im Berliner Westend entfernt und ist über Straße, Regionalverkehr und Autobahnring hervorragend erreichbar. Gleichzeitig zeigt gerade diese Verbindung die Stärke des Konzepts „Berlin+“: Olympische und Paralympische Spiele werden nicht nur auf wenige innerstädtische Orte konzentriert, sondern als gemeinsames Projekt einer ganzen Region verstanden.

Eine wichtige Ergänzung bildet dabei die traditionsreiche Regattabahn Berlin-Grünau. Sie kann künftig als zusätzliche Trainings- und Vorbereitungsstrecke für internationale Mannschaften genutzt werden – sowohl bei Wettbewerben in Brandenburg an der Havel als auch umgekehrt bei Veranstaltungen in Grünau selbst. Damit entsteht innerhalb der Hauptstadtregion ein sportliches Netzwerk aus Wettkampf-, Trainings- und Leistungsstandorten, das optimale Bedingungen für internationale Großveranstaltungen schafft.

Berlin selbst bringt darüber hinaus viele Voraussetzungen schon heute mit. Die Stadt verfügt über internationale Verkehrsanbindungen, bestehende Sportstätten, moderne Infrastruktur und viel Erfahrung bei internationalen Veranstaltungen. Der Flughafen BER, leistungsfähige Bahnverbindungen und kurze Wege innerhalb der Region ermöglichen bereits heute eine hohe Mobilität. Vieles davon funktioniert nicht nur auf Präsentationsfolien, die die Zukunft vorwegnehmen, sondern sind schon jetzt Alltag.

Auch sportlich gehört Berlin seit Jahren zu den wichtigsten Standorten des deutschen Rudersports. Unterschiedliche Wasserflächen, windgeschützte Strecken und rund 60 Rudervereine mit etwa 10.000 Mitgliedern bieten hervorragende Bedingungen für Leistungs- und Breitensport gleichermaßen. Hinzu kommen weitere Entwicklungsflächen und Trainingsmöglichkeiten im Südosten der Stadt, die insbesondere dem Nachwuchs- und Spitzensport langfristig zugutekommen sollen.

Berlin und Brandenburg verstehen sich dabei bewusst als Region in Bewegung. Die Hauptstadtregion wächst infrastrukturell, gesellschaftlich und sportlich immer stärker zusammen. Gerade diese Dynamik macht den Reiz der Bewerbung aus. Berlin ist keine fertige Hochglanzkulisse, sondern eine offene, internationale und lernfähige Metropole, die gemeinsam mit Brandenburg nachhaltige und moderne Olympische und Paralympische Spiele gestalten möchte.

Und während andernorts gelegentlich noch diskutiert wird, ob Olympische und Paralympische Spiele besser zwischen Weißwurstfrühstück oder Karnevalsumzug organisiert werden sollten, arbeitet die Hauptstadtregion lieber ruhig und pragmatisch daran, funktionierende Lösungen gemeinsam auf die Strecke zu bringen – im wahrsten Sinne des Wortes.